Eins, Zwei, Affe

First Contact – Die Fortsetzung von Neil Stubbings Lost and Found

Februar 16th, 2010 — 11:24am — geschrieben von Gregor

Ganz wie wir uns das von Science Fiction Episoden wie Star Wars gewohnt sind, ist auch hier die Zeitebene etwas verschachtelt und wir begannen damals mit Lost and Found nicht mit dem Anfang, sondern irgendwo in der Mitte der Geschichte. So kommt es, dass der zweite Teil mit dem Titel First Contact der Anfangspunkt unserer Odyssee bildet.

Wir haben damals die Stilrichtung schon recht genau festgelegt, indem wir dem Ambiente einen durchwegs heruntergezupften Touch gaben und die musikalische Ebene im Stil der 50er Jahre Sci-Fi Filme belegten. Dieses Schema sollte sich natürlich in der Fortsetzung wieder finden. Was jedoch neu dazu kommt, ist die Erzählform aus verschiedenen Kamerawinkeln. Wo wir damals noch alles aus der Ich-Perspektive sahen, sehen wir heute eine Kombination aus eben dieser Ich-Perspektive und anderen Kamerapositionen. Dies lässt uns die Soundebene umso dynamischer gestalten, da wir diverse Töne die vom Protagonisten ausgehen aus verschiedenen Winkeln und räumlichen Positionierungen hören. Ein interessantes Beispiel dafür, ist die Ess-Szene in der Küche. Hier wechseln wir mit dem Kaugeräusch vom halligen Raum unmittelbar in den Kopf der essenden Person und hören die Kaugeräusche direkt, ohne Reverb und auf voller Lautstärke, da dieses Geräusch ja direkt hinter den Ohren, im Mund des Protagonisten erzeugt wird. Ein zweites solches Beispiel ist der Wechsel vom Treppenhaus auf die Strasse ins Freie.

Diese Episode war in vieler Hinsicht schneller und effektiger als ihr Vorgänger. Dies wegen der verschiedenen Räume und Kamerapositionen, sowie allgemein mehr Ereignissen in der Story. Wir haben ein Raumschiff, eine Verfolgungsjagd, und eine Flasche die einem über den Kopf gezogen wird. Die Herausforderung lag also nicht mehr darin aus der Ruhe Spannung zu erzeugen. Viel mehr ging es darum, die vielen Tempowechsel in der Geschichte so dramatisch wie möglich zu gestalten. Dies geschieht einerseits durch die Unterstützung eines passenden Scores, und andererseits durch den unvermittelten Einsatz des Tempowechsels und die extra dafür geschaffte Ruhe davor.

Wir freuen uns auf den dritten Teil, der hoffentlich kommen wird und sind gespannt darauf welchen Herausforderungen wir uns dann stellen dürfen!

Ps: Der Clip ergatterte den zweiten Platz am Onedotzero Event 2009

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Erkki

September 4th, 2009 — 11:07am — geschrieben von Fede


Die Herausforderung
Jyri Pasanen’s Kurzfilm „Errki“ zeigt auf eine liebevolle Art und Weise eine typische finnische Beziehung zwischen Mann und Frau –Trauer und Liebe, Leben und Tod, Traum und Realität - in einer abgeschiedenen finnischen Landschaft.

Die Aufgabe
Unsere Wahl der Filmmusik und den Geräuschen ist nebst Bild und Dialog der beiden finnischen Schauspieler das wichtigste Mittel, um den Film ausdrucksvoll zu verstärken. So machen reale Geräusche, die wir zum angelieferten (erstaunlich guten) O-Ton zusätzlich nachsynchronisiert haben,
die Handlungen lebendiger, näher, intimer und auch dramatischer. Die Nähe der Kamera erlaubt diesen intimen Einblick in die Gefühlswelt der beiden und so war auch die Idee der Vertonung, gerade in ruhigen Momenten, diese Nähe und Ernsthaftigkeit aufbauen zu können.

Das Vorgehen
Auf typische Action-Holywoodeffekte haben wir mit wenigen Ausnahmen bewusst verzichtet. An diesem Projekt liessen wir übrigens auch unseren damaligen Praktikanten Lio deMendonca mitarbeiten. Er war beharrlich mit der O-Tonbearbeitung und der suchen nach Geräuschen sie Wind, Wasser, Eis und
Schritten beschäftigt, die er uns als Grundlage der Vertonung zur Verfügung stellte.

Für die landschaftliche Weite und Einsamkeit haben wir nach einem „Grundklang“ gesucht, der eine Beziehungen zwischen Bild und Klangfarben von Instrumenten, wie dem Cello, Accordeon oder einer Gitarre verbindet. Dazu haben wir sphärische Klänge mit Glasgeräuschen gemischt, um die Stimmung der
kalten Jahreszeit und endlosen Landschaft spürbarer zu machen. Die Melodie in Dur und ihre Art der Improvisation wirkt melancholisch und nicht zu dramatisch und drückt die todernste aber auch entspannte Stimmung der Protagonisten aus. Nicht aufdringlich, wenig Präsenz, aber viel Raum, dass war unsere Vorstellung beim komponieren. Wir haben versucht den Zuschauer mit der Abspannmusik eines traditionellen finnischen Liebes-Volksliedes die wenig verbleibende Illusion „eines Zurückgebliebenen“ doch noch etwas harmonischer und strahlender aus der Geschichte zu entlassen.

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El futuro es hoy

August 31st, 2009 — 6:46pm — geschrieben von Michi

Die Herausforderung
„El futuro es hoy“ (Die Zukunft ist jetzt) ist ein Dokumentarfilm, der sich mit dem Leben in der kubanischen Hauptstadt Havanna auseinandersetzt. Die Hauptrollen spielen 7 Kubaner, welche über ihr Leben in Havanna berichten und dem Zuschauer ihre unterschiedlichen Ansichten mitteilen. Die einen fordern Veränderung in Kuba, andere halten am System fest.In Kuba, in diesem Film, wird gewartet, ohne dass man wüsste, worauf.

Die Aufgabe
Der oberste Grundsatz beim Briefing von Rolando Colla (Produzent) und Sandra Gomez (Regie) war, die Authentizität des Filmes zu waren. Der Film verlangte tendenziell nach mehr Stille. Von der Idee her ging es um die akustische Umsetzung von Stillstand, von Lähmung. Der O-Ton enthielt in einigen Szenen zu viele Wind- und Umgebungsgeräusche. Windgeräusche können teils mit Hilfe eines Lo-Cut Filters (schneiden tieffrequenter Signalanteile) entfernt werden. Wird das Signal jedoch bei der Aufnahme übersteuert, kann mit einem Equalizer nicht mehr nachgeholfen werden. Die Tonspur musste also subtiler werden. Dass heisst, weniger Lärm, den man visuell nicht zuordnen konnte, mehr Geräusche oder Geräuschfetzen aus der Ferne, wie aus der Vergangenheit oder aus einem Leben, welches nicht hier und jetzt stattfindet. Ausserdem mussten die Statements der Protagonisten entrauscht, gefiltert und von dem teilweise starken Umgebungslärm befreit werden. Die Endmedien waren sowohl ein Stereo- als auch ein 5.1 Mehrkanalmix.

Das Vorgehen
Schnell wurde mir klar, dass viele Szenen komplett nachgebaut werden müssen, um die erforderliche Ruhe in den Film zu bringen. Es musste alles ersetzt werden was:

  • Aufgrund starker Windgeräusche übersteuert war
  • Zu laut, zu lärmig war
  • Keinen Ton hatte

1. Nachbauen der Szenen
Der erste Schritt bestand darin, das vorhandene O-Ton-Material zu sichten um mir einen Überblick zu verschaffen. Dann begann ich mit dem authentischen Nachbau der Szenen. Für viele Atmos und Geräusche konnte ich mich an unserer SFX Library bedienen. Zudem bekam ich ein OMF File mit Wildtracks (Original Nurtöne vom Set). Ein grosser Teil bestand darin, Fahrzeuge, Aussenatmos, Raumklänge, Wallas (Masse-Mensch-Atmos) und die Szenen im Wasser nachzubauen.

2. Foley-Recording (Geräuschrecording in Echtzeit zum Film)
Nahezu alle Bewegungs- und Handlungsgeräusche sowie Schritte wurden in einer Foleysession nachvertont. Um einen genauen Überblick in der Session zu behalten und effizient arbeiten zu können, setzte ich während dem Nachbau der Szenen leere Regions an die Stellen, wo Foleyrecordings nötig waren.

3. Bearbeitung der Statements
Die Protagonisten wurden am Set mit 2 Mikrofonen aufgenommen (Kameramikrofon und Ansteckmikrofon). Auf der Kameramikrofonspur war zuviel Umgebungslärm, um es für den Mix brauchen zu können. Das Ansteckmikrofon war daher die 1. Wahl. Mit einem 6-Band Equalizer gab ich den Stimmen mehr Präsenz. Der Umgebungslärm wurde mit dem iZotope RX Plug-In herausgefiltert. De-Noisen kann bei starken Störgeräuschen aber heikel sein, da es zu starken Artefakten kommen kann. Eine Kombination aus bearbeitetem Stimmfile und einer subtil dazugemischten unbearbeiteten Stimme ergab schlussendlich das beste Resultat.

Das Ergebnis

Die Vertonung vom Dokumentarfilm El Futuro es Hoy war ein aufwändiges und interessantes Projekt. Das Ergebnis zeigt, dass ein Film auch mit Hilfe von Nachvertonung, also ohne Originalton, authentisch wirken kann. Die Arbeit bis ins kleinste Detail hat mir grossen Spass gemacht!

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Lost And Found - Ein animierter Kurzfilm von Neil Stubbings

April 1st, 2009 — 5:29pm — geschrieben von Gregor

Die Herausforderung
Lost and Found ist der Erste einer geplanten Serie  von animierten Kurzfilmen, welche von einem kurligen rosaroten Alien handeln.Neil Stubbings gab mir als Briefing nur das Timing der Klopfgeräusche vor und die Idee, dass es nach trashigem 50er Jahre Sci-Fi Film klingen soll.

Die Aufgabe
Da der Film zu 100% animiert ist, war es mir sehr wichtig, dass die Geräusche so real wie möglich klingen. Das Material des Bodens, die Gegenstände, alles sollte sich echt anfühlen, um die Animation so lebendig wie möglich zu gestalten. Bei diesem kurzen Clip muss vieles über den Ton erklärt werden. Die Realgeräusche müssen sofort erkennbar und direkt auf dem Punkt sein. Der Charakter des Sounddesigns wollte ich prägnant und auf eine gewisse Weise auch klischiert rüberbringen. Dem Zuschauer soll mit jedem Geräusch die richtige Stimmung vermittelt werden.

Das Vorgehen
Zuerst musste ich eine Basis schaffen. Der tote, unangenehme Raum, in welchem man höchst ungern aufwacht. Das Rauschen des Fernsehers, die Fliegen die gegen die Glühbirne klatschen und das Brummen im Kopf.Für das Brummen habe ich ein 60 Hertz Netzbrummen (USA) verwendet, welches simultan zum Aufgehen der Augenlieder ertönt. Sehr dumpf und grummlig, mit einem gefilterten Pingpong Delay. Dazu habe ich das Klopfgeräusch der Tür ebenfalls ins gefilterte Delay geschickt, um die verschobene Wahrnehmung unseres zugedröhnten Protagonisten zu unterstreichen.Zentral war auch die Foley-Arbeit. Da wir alles aus der Ich-Perspektive erleben, müssen die Bewegungen „spürbar“ gemacht werden, damit man versteht was passiert, ohne es zu sehen. Zum Beispiel das Rascheln der Decke und das Knarren des Betts beim Aufstehen. Viele Foley Geräusche habe ich synchron zum Film aufgenommen. Dazu wird das Bild in der Aufnahmekabine gezeigt und die Bewegungen werden vor dem Mikrofon nachgespielt.Um das Fehlen der einen Socke zu verdeutlichen, muss der nackte Fuss eindeutig erkennbar sein und beide Füsse beim Gehen klar unterscheidbar klingen..Für die Stimme des Alien habe ich mich selbst aufgenommen und das Signal durch diverse Filter geschickt. Natürlich wurde auch am Pitch rumgeschraubt und die Stimme tiefer und grummliger gemacht. Dann noch einen Mondomod, welcher Dynamik und Pitch moduliert drauf, um sie etwas schwabbelig klingen zu lassen.Die dramaturgische Entwicklung unterstütze ich mit einem Musikscore. Ich habe fünf Versionen der Musik angelegt um verschiedene Stimmungen auszuprobieren. Da war mir das grosse Soundarchiv das wir zur Verfügung haben eine enorme Hilfe.Das Timing war für mich eindeutig: Wenn die Tür aufgemacht wird, ändert sich so ziemlich alles im Film. Jeglicher Realismus wird der Story entzogen und selbst die Art wie das Alien gezeichnet ist, zeigt uns, dass sich der Protagonist nicht nur mit seinen Gefühlen irgendwie im falschen Film befindet. Die Musik sollte schräg und trashig klingen. Der Sci-Fi Charakter sollte auch mitschwingen, und so entschieden sich Neil und ich schliesslich für den überdramatischen 50er Horror Sound. Die Bläser-Hits wurden synchron zu den Kamerabewegungen angelegt, um das Klischee der Überbetonung noch zu verstärken.

Das Ergebnis
Neben dem grossen Spass den ich an diesem Projekt hatte, wurden wir noch zusätzlich belohnt: Lost And Found wurde im Rahmen des Zürcher Filmfestivals am Onedotzero Event mit dem ersten Preis ausgezeichnet.

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